Der Weg der Dankbarkeit

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Therese und Uli Niederhauser kannten sich seit der Kindheit, gaben sich bereits mit 21 Jahren das Ja-Wort und erlebten eine erfüllte Ehe. Doch im Sommer 2015 erhielt Therese wie aus heiterem Himmel die niederschmetternde Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Dieser Schlag traf das Ehepaar besonders heftig, da beide bis zu diesem Zeitpunkt von grösseren Krankheiten verschont geblieben waren. Nun aber folgten zahlreiche Untersuchungen, eine schwierige Operation und viele weitere Behandlungen. Eine dauerhafte Besserung konnte nicht erzielt werden, so dass Therese gut zwei Jahre später schliesslich starb.

43 glückliche Ehejahre

Wenn Uli Niederhauser über diese Ereignisse spricht, wirkt er erstaunlich ruhig und gefasst. Das liegt einerseits an seinem Charakter: «Ich kann und will nicht alle meine Emotionen nach aussen tragen. Wenn ich aber beispielsweise Fotos von gemeinsamen Erlebnissen betrachte, dann gab und gibt es Zeiten von tiefer Trauer mit vielen Tränen.» Vor allem aber hat sich Niederhauser bewusst für den Weg der Dankbarkeit entschieden. Er ist dankbar für die glücklichen 43 Ehejahre, die ihm und seiner Frau beschieden waren; das spürt man bei jedem seiner Worte. Er ist auch froh, dass Therese bis wenige Stunden vor ihrem Abschied eine den Umständen entsprechend hohe Lebensqualität geniessen durfte. Für das Pflegepersonal, die Familie und seine zahlreichen Freunde findet er nur lobende Worte. Die grösste Dankbarkeit richtet er aber an Gott, von dem er sich gerade während dieser herausfordernden Zeit besonders getragen wusste.

«Es ist möglich, von einem vollendeten Leben zu sprechen, auch wenn es früher zu Ende geht, als wir Menschen das für richtig halten.»

Bereits in jungen Jahren haben sich Niederhausers dazu entschieden, Jesus zur Grundlage und zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen. Daran hielten sie auch während der Krankheitszeit unbeirrt fest. «Wir waren immer überzeugt, dass Gott stärker ist als jede Krankheit. Deshalb haben wir regelmässig um sein Eingreifen gebetet. Es war uns beiden aber wichtig, daraus keinen Krampf zu machen. So sehr wir an Heilung geglaubt haben, so sehr wollten wir uns auch dem natürlichen Krankheitsverlauf nicht verschliessen. Dies hat uns geholfen, trotz allem relativ entspannt mit dieser schwierigen Situation umzugehen.» Durch den Verlust seiner Frau hat Niederhauser gelernt, dass es auch dann möglich ist, von einem vollendeten, erfüllten und gelungenen Leben zu sprechen, wenn es früher zu Ende geht, als wir Menschen das für richtig halten.

«Da kann man nur noch dankbar sein.»

Kein Groll gegenüber Gott

Besonders eindrücklich waren für Uli Niederhauser die letzten Stunden am Bett seiner Frau. «In dieser Phase hat Gottes Gegenwart den gesamten Raum erfüllt. Auch physisch war das stark wahrnehmbar. Mit Worten lässt sich das nicht beschreiben. Es hielt den ganzen Tag über an, auch während aller schwierigen Momente. Ich habe während der Krankheit und nach dem Tod meiner geliebten Frau gegenüber Gott nie Groll oder gar Wut verspürt, auch wenn einige grosse Fragen nach dem ‹Warum?› geblieben sind, vielmehr empfand ich letztlich alles als guten Abschluss unseres gemeinsamen Lebens. Eigentlich will man die Gegenwart Gottes in einem solchen Moment gar nicht mehr verlassen. Da kann man nur noch dankbar sein.» (js)

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