Liebesgeschichte auf Umwegen

0
463

Die über hundert Liebesbriefe verschwanden im Nebel der Vergangenheit, als Thomas Grob sich in eine andere Frau verliebte. Nach fünf Jahren Ehe folgte die Trennung von Ursula. Doch Gott schrieb mit den beiden eine Geschichte, die heute viele ermutigt.

1989 wehte der «Wind of Change» durch Europa und im Emmental flatterten die Schmetterlinge im Bauch von Ursula und Thomas. «Wir lernten uns in der Heilsarmee Huttwil kennen, hatten den gleichen Heimweg und sprachen oft zusammen», erinnert sich Thomas. Und nicht nur das. Die beiden schrieben sich über hundert Briefe. Freundschaft. Verlobung. Hochzeitsglocken: Das Paar heiratete im September 1994. Beide arbeiteten zu hundert Prozent und in der Freizeit engagierten sich die beiden stark in der Heilsarmee. «Wir taten praktisch nichts für unsere Beziehung, die Ferien setzten wir für Lager ein.»

Die andere Frau

Fünf Jahre später absolvierte Thomas eine Weiterbildung. «Am zweiten Abend kam eine Frau, die am ersten Abend nicht da gewesen war, und fragte, ob sie neben mir sitzen dürfe», erinnert er sich. Im Laufe der Zeit kamen die beiden ins Gespräch, beide erzählten aus ihrem Leben. Eine Vertrautheit entwickelte sich. «Ich verliebte mich. Ich suchte es nicht aktiv, mir hatte nichts gefehlt. Doch ich wehrte mich auch nicht dagegen.»

Die Selbstanklage überrollte Thomas wie eine Lawine.

«Er sagte es mir schon früh, wir vertrauten uns Freunden an», blickt Ursula zurück. Bis der Moment kam, als Thomas sagte, dass er gar nicht mehr um ihre Beziehung kämpfen wolle. Er hatte Sex mit der anderen Frau, zog aus der Wohnung aus. Ursula und Thomas hatten längere Zeit keinen Kontakt mehr – bis die andere Frau Schluss machte. «Das war rückblickend das grösste Geschenk», so Thomas.

Das neue Versprechen

Die Selbstanklage überrollte Thomas in der Folge wie eine Lawine. Auch Ursula hatte Verschiedenes zu reflektieren. Im Laufe der Monate – durch Beratungsgespräche und eine harte Aufarbeitung – fanden die beiden nach fast einem Jahr wieder zusammen. «Wir gaben uns ein neues Ehe-Versprechen im kleinen Kreis.» Vereinbart wurde zudem, dass bei künftigen Konflikten diese Zeit der Trennung und alles, was dazu geführt hatte, kein Thema sein dürfe.

Um ein klares Zeichen für den Neubeginn zu setzen, zogen sie auch in eine neue Wohnung. Nur kurze Zeit später wurde Ursula zum ersten Mal schwanger…

«Für eine Krise braucht es immer zwei – und auch für eine funktionierende Ehe.»

Die dritte Schnur

«Wir wurden gefragt, ob wir Paare begleiten wollen, indem wir aus unserem Leben erzählen», berichtet Thomas. Daraus sei ein Angebot für die Vorbereitung und Begleitung von Ehepaaren in der Heilsarmee Huttwil entstanden. Oft hätten Paare ja schon kurz nach Eheschliessung Probleme. «Nach der Hochzeit beginnt die Arbeit ja erst», so Ursula. «Für eine Krise braucht es immer zwei – und auch für eine funktionierende Ehe.» Aber mit Gott komme noch eine dritte Kraft hinzu.

Ursula und Thomas Grob verweisen zum Schluss auf einen Bibelvers aus dem Buch Prediger (Kap. 4), der ihnen viel bedeutet: «Einer kann leicht überwältigt werden, doch zwei sind dem Angriff gewachsen. Man sagt ja auch: Ein Seil aus drei Schnüren reisst nicht so schnell!» (dg)

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here