Der Flugzeugabsturz

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Es geschah am 23. März 2006: Ihr Mann flog für das christliche
Hilfswerk MAF in Papua-Neuguinea einen seiner vielen Einsätze,
als er tödlich verunfallte. Seine Frau, Esther Fasnacht, blieb
mit vier Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren
zurück. Wie sie diesen Horrormoment erlebte und welche
Rolle der Glaube dabei spielte, erzählt die heute 50-jährige
Emmentalerin hier in ihren eigenen Worten:

«Mein Glaube an Gott war für mich schon immer etwas Selbstverständliches. Ich wurde von klein auf von meinen Eltern christlich erzogen. Dazu gehörte das tägliche
Gebet vor dem Schlafengehen. Meine Eltern sprachen mit Gott wie zu einem
Freund. Sie teilten ihm ihre Anliegen mit, ihre Freude und Dankbarkeit und auch
ihre Probleme. Mit ungefähr elf Jahren wurde mir bewusst, dass ich auch eine solch
persönliche Beziehung mit Gott haben möchte. Die folgenden Jahre besuchte ich
regelmässig den Gottesdienst und machte aktiv in meiner Kirche mit. Mein Leben
verlief ohne grössere Schwierigkeiten.

Über viele Jahre war mein Glaube etwas, worüber ich mir nicht gross Gedanken
machte; eine Selbstverständlichkeit eben – total normal. Vielleicht könnte man es
mit einem Feuerlöscher vergleichen, der im Haus steht und in regelmässigen Abständen gewartet wird. Du läufst jeden Tag an ihm vorbei. Du siehst ihn.
Du weisst, dass er da ist. Du vertraust darauf, dass er funktioniert, falls mal ein Notfall eintreten sollte. Und du schätzt diese Absicherung. Aber wirklich beweisen wird er sich erst, wenn er im Ernstfall zum Einsatz kommen muss.

«Über viele Jahre war mein Glaube etwas, worüber ich mir nicht gross Gedanken machte; eine Selbstverständlichkeit eben.»

Als ich dann vor rund 14 Jahren meinen Mann durch einen Unfall verlor, war dies
eine sehr schmerzliche und herausfordernde Situation. Von unseren vier Kindern
war das jüngste gerade mal drei Jahre alt, das älteste zehn. Das Unvorstellbare und
Schlimmste war eingetroffen. Doch mitten in der Konfrontation mit diesem schrecklichen Verlust war Gott mein Anker. Er, den ich zuerst indirekt verantwortlich machte, weil er den Unfall nicht verhindert hatte, war auch gleichzeitig mein einzig wirklicher Halt und Trost. Ich erlebte meinen Glauben auf eine völlig neue Weise. Die tägliche Kommunikation mit ihm war für mich ein Bedürfnis. Ich schöpfte neuen Mut und die Kraft nach vorne zu schauen.

Gott gab mir Augen für alles Positive, das immer noch in meinem und im Leben meiner Kinder war. Vieles war nicht einfach. Ich hatte relativ jung geheiratet und war für mehrere Jahre im Ausland an der Seite meines Mannes, um ihn in seinem Einsatz als Buschpilot zu unterstützen. Die Erkenntnis, dass ich auch ohne einen Mann «jemand» bin, brauchte Zeit und Reife. Wer bin ich wirklich, wenn das, was mir Status verleiht, wegfällt? Das ist eine Grundfrage. Wer bin ich, wenn ich gegen aussen nicht alle Erwartungen erfülle oder erfüllen kann? Wer oder was definiert, wer ich bin? Ich glaube, das sollte niemand anderes als Gott sein. Die Wertschätzung, die er mir in der Bibel entgegenbringt, macht mich zu einem meist geliebten Geschöpf (so steht es zum Beispiel im zweiten Kapitel des Epheserbriefes in der Bibel).

«Die Erkenntnis, dass ich auch ohne einen Mann ‹jemand› bin, brauchte Zeit und Reife.»

Was er noch heute für mich tut, schätze ich enorm. Durch seine Zuwendung ergänzt er mich in Dingen, die mir Mühe bereiten. Er balanciert meine Stärken wie auch meine Schwächen aus. Dieses Vertrauen in Gottes Anwesenheit in meinem Leben, in der Gegenwart und in der Zukunft, das ist mein Glaube.»

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