FREUDE, DIE REKORDE SPRENGT

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Eva Hürlimann (37) aus Hasle bei Burgdorf ist dreifache Mutter und Multisportlerin. 2019 meisterte sie den 10-fachen Ironman in Buchs SG und knackte mit ihrem Sieg gar den Weltrekord. Kraft für ihre Spitzenleistung gibt ihr primär die Familie. Bodenständigkeit gepaart mit Lebensfreude und Lockerheit, könnte man das Erfolgsrezept des Emmentaler Ausnahmetalents umschreiben.

«Das Sport-Gen liegt bei uns in der Familie; meine Brüder spielen Eishockey und
Tennis, und wir sind alle schon früh lange Strecken mit dem Velo gefahren», erklärt
Eva Hürlimann ihre Leidenschaft für Bewegung und frische Luft. Acht Jahre lang
lebt Eva Mamas unerfüllten Traum einer Eisprinzessin. Doch dieses Krönchen, das
Eiskunstlaufen, ist nicht ihr Ding.

«Schwimmen,
Radfahren, Rennen…
Ich war voll in meinem
Element!»

Mit vierzehn wechselt sie ins Wasser, wird Mitglied in einem Schwimmclub. Zwei Jahre
später zieht Eva von zuhause aus, um sich in Bern zur Pflegefachfrau HF ausbilden
zu lassen. Dem Wasser bleibt sie treu. Aber sie will mehr, schliesst sich dem Berner
Triathlon-Club an. Schwimmen, Radfahren, Rennen… «Ich war voll in meinem
Element!». Und die junge Frau hat Erfolg, absolviert zunächst kurze Distanzen, dann
lange und erreicht 2006 den 2. Rang ihrer Altersklasse im Ironman auf Lanzarote.
Es folgen zwei Jahre Eliterennen im Radsport.

Drei Kinder…
2008 bremst Amor sie ab und beschenkt die gertenschlanke Rotblonde wenig später
mit drei Kindern: zwei Mädchen, das älteste ist heute neun und einen Sohn. Hugo
Hürlimann, Evas Mann, arbeitet Vollzeit im Kader eines Schweizer Biscuits-Herstellers
und als Dozent an der Berner Fachhochschule. «Während der fünfeinhalb Jahre Familienzeit habe ich mich ganz den Kindern gewidmet und nicht trainiert», erklärt Eva Hürlimann. Seit Beginn steht die Familie für sie an oberster Stelle.

…und ein Weltrekord
Auf Initiative ihres Mannes – «Mach doch auch mal etwas für dich!» – nimmt Eva 2015 ihre sportliche Karriere wieder auf. Sie bestreitet den S2-Challenge von Langnau nach Schwarzenburg, schwimmt, rollt und rennt direkt auf den dritten Platz. 2016 und 2017 folgen zwei Gigathlons, die sie auf dem Siegerpodest beendet. Und dieses Treppchen kann ihr auch 2018 im 5-fach Ironman und 2019 beim 10-fach Ironman niemand streitig machen. Mit dem Sieg des 10-fach Ironman in Buchs SG knackt Eva um 10 Stunden sogar den Weltrekord. Ironman: Das bedeutet vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Marathonlaufen. Wie ist eine solche Strapaze zehn Tage hintereinander zu schaffen?

Ohne Plan und Personaltrainer
Eva Hürlimann hat ihr ganz eigenes Rezept: «Mein Körper kann sich rasch regenerieren, ich kenne und spüre ihn gut. Klar melden sich nach einiger Zeit erste Wehwehchen. Dann denke ich an etwas Positives. Wenn ich etwa mein linkes Knie spüre, fokussiere ich mich auf das rechte und bin dankbar dafür. So blende ich den Schmerz aus und kann weiterlaufen. Oder ich koste die Vorfreude aus, beim nächsten
Stopp Hugo und die Kinder wiederzusehen und etwas essen und zu trinken zu können.» Wenn immer möglich begleiten sie ihre Liebsten mit dem Wohnmobil. Ganz
bewusst verfolgt sie keinen Trainingsplan, es würde sie nur unter Druck setzen, sagt
die Powerfrau.

«Zentral ist, sich auf
hohem Niveau fokussieren
zu können.»

Gefragte Referentin
Eva Hürlimanns wöchentliche Trainingszeit bewegt sich zwischen acht und 16 Stunden. Die Familie ist ihr Gradmesser, Mentor und Motivator: «Wir besprechen alle Ziele zusammen. Wichtig ist mir, dass es meinen Kindern gut geht. Erst dann habe ich den Kopf frei für den Sport. So gerate ich nicht ins Übertraining. Meine Familie hält mich flexibel, ich bin nicht sportsüchtig. Zentral ist, sich auf hohem Niveau fokussieren zu können.» Diese Eigenschaft aus dem Sport ist auch in der Wirtschaft unentbehrlich. Immer wieder wurde Eva gebeten, Motivationsvorträge in Unternehmen zu halten – und hat sich unterdessen damit ein zweites Standbein aufgebaut. So wurde es möglich, dass ihr Mann sein Arbeitspensum seit diesem Jahr reduzieren konnte.

Vorbild Vater
Motor im Sport und im Leben ist für Eva Hürlimann die Freude. «Meine Eltern
haben mir wunderbare Werte vorgelebt. Vor allem mit meinem Vater verband mich viel. Er war ein sehr positiv denkender Mensch, so lustig und locker und tief in seinem Glauben verankert. Das starke Band zwischen ihr und ihrem Vater bekam Eva Hürlimann zwei Wochen nach dessen Tod während eines Sportevents 2017 zu spüren. Ohne Pause galt es 1000 Kilometer zu bezwingen, 400 hatte sie hinter sich. Ein See lag vor ihr – und sie konnte und wollte keinen Schritt mehr tun. Erinnerungen übermannten die Mittdreissigerin wie eine mächtige Welle… war ihr Vater auf einem anderen See beim Wassersport doch akuten Herzproblemen erlegen. «Ich habe dann meinem Begleitfahrzeug gefunkt, dass ich abbreche und nach Hause zu den Kindern möchte. Das war richtig so.» Selbst auf das tragische Ableben ihres Vaters angesprochen, nennt Eva Hürlimann positive Aspekte: «Ich durfte bis zum Schluss bei ihm bleiben, das ist ein Liebesbeweis und ich konnte kurz auf einer Insel auf dem See Abschied nehmen.» Was ihre Karriere anbelangt, betont die Multisportlerin immer wieder, dass sie nie nach Hawaii gewollt habe (Wiege und Zentrum des Ironmans), sie sei kein Freund solcher Massenstarts. Dennoch: 2020 zieht es die Hürlimanns zumindest über den grossen Teich. Mama möchte in den USA die Ultra-Triathlon Weltmeisterschaft absolvieren, einen zweifachen Ironman – so gesehen ein «Spaziergang» für sie…


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