Corona-Tagebuch der «Hope»-Pastoren

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Andreas Blaser bei der Aufzeichnung eines Gottesdiensts

Covid-19 stellte das gesellschaftliche Leben in allen Bereichen auf den Kopf. Auch die Kirchen waren herausgefordert, ganz neue Wege zu finden, um ihrer Aufgabe als hoffnungs- und glaubensstiftende Gemeinschaft weiter nachzukommen. Wir haben drei der vier Pastoren aus dem «Hope Emmental»-Kernteam um einen persönlichen Einblick in die Corona-Zeit gebeten. Was war in dieser Zeit ihr grösster Frust? Wo schöpften sie aber auch neue Zuversicht und erkannten neue Chancen für die Kirche der Zukunft?

Digitale Innovation

Samuel Truttmann

Samuel Truttmann, Pastor Pfimi Burgdorf: Von der Hoffnung belebt, gelang es mir Gott sei Dank immer wieder, die Chancen in der Krise zu entdecken. Digitale Innovation war ein Stichwort. Die Umstände der Einschränkungen ermöglichten ein günstiges Umfeld, um als Kirche Dinge auszuprobieren, Fehler zu machen, Pannen auszuhalten und trotz allem dankbar zu sein, dass wir auf digitale Möglichkeiten zugreifen können. Mittlerweile sind wir technisch und von der Handhabung her versierte Anwender und haben neue Wege gefunden, durch Livestreams und weitere digitale Tools Gemeinschaft, Austausch, Kinder & Jugend, Familien, ja sogar seniortaugliche Settings neu zu gestalten.

«Mittlerweile sind wir technisch und von der handhabung her versierte anwender.»

Der Zugang wurde dadurch noch viel einfacher, breiter und heute sind wir soweit, dass wir hybride Event-Settings gestalten, die man live und digital mitverfolgen kann. Hat nicht Jesus einmal gesagt: «Mit mir ist nichts unmöglich»… 🙂

Wiederentdeckung des Telefons

Andreas Blaser

Andreas Blaser, Pastor EGW Hasle-Rüegsau: Frustriert und hilflos, so fühlte ich mich nach der Ankündigung des zweiten Teil-Lockdowns im Oktober. Wie soll Kirche gestaltet und erlebt werden, wenn die Gruppengrösse (damals auf 15 Personen) beschränkt ist? Ich bin sehr dankbar, dass dieser Frust nicht lange angedauert hat. Bald schon konnte ich die Möglichkeiten sehen, die uns noch offenstanden. Und Möglichkeiten gab und gibt es noch sehr viele, egal wie hoch oder tief die Versammlungs-Gruppengrösse sein darf. Der Telefonapparat wurde zu einem beliebten Werkzeug der Kontaktpflege und des Anteilnehmens.

«Covid-19 bringt vieles durcheinander, auch das kirchliche leben.»

Die technischen Erfahrungen aus dem Frühjahr 2020 halfen uns, nahtlos Gottesdienste anzubieten, jetzt halt über Video. Die Teenieund Jugendarbeit wurde ebenfalls vorwiegend über die digitalen Medien gestaltet. Als die Gruppengrösse auf 50 Personen für Gottesdienste angehoben wurde, verzichteten wir bis Ende Februar auf Präsenzgottesdienste. Der Video-Gottesdienst, der am Sonntagmorgen aufgeschaltet wurde, war eine elegante und bequeme Lösung, die von mehr Menschen in Anspruch genommen wurde, als die Gottesdienste vor dem Corona-Ausbruch. Allerdings wurde
mit zunehmender Dauer der Einschränkungen deutlich, wie wichtig echte Gemeinschaft grundsätzlich, und eben auch für den gelebten Glauben ist.
Covid-19 bringt vieles durcheinander, auch das kirchliche Leben. Aber das hindert uns nicht daran, uns weiterhin motiviert in Menschen zu investieren, Nöten zu begegnen und eine lebensbejahende und hoffnungsvolle Stimmung auszubreiten. Denn wer, wenn nicht wir Christen, haben allen Grund, voller Hoffnung zu sein! Schliesslich glauben wir an den, von dem es heisst, er sei die lebendige Hoffnung: Jesus!

Beweglich bleiben!

Matthias Stalder

Matthias Stalder, Pastor Heilsarmee Huttwil: Ich kann mich noch sehr gut an den Freitag, 23.10.2020, erinnern. Mein Weiterbildungstag in Biel neigte sich gerade dem Ende zu, als ich einen Anruf aus dem Hauptsitz der Heilsarmee erhielt. Ich wurde gefragt, ob ich heute noch Material für einen Online-Gottesdienst zur Verfügung stellen könnte. Etwas belustigt fragte ich zurück, ob denn die Heilsarmee schon wieder auf virtuelle Gottesdienste umstellen wolle. Worauf ich die Antwort erhielt, dass man gerade auf die Pressekonferenz des Kantons Bern warte, in der wahrscheinlich ein erneuter Teil-Lockdown verkündet würde. Diese Nachricht traf mich völlig unvorbereitet – so wie die meisten anderen Pastoren, die ebenfalls an der Weiterbildung teilnahmen. Und so kam es, dass ich einmal mehr einen Freitag Abend damit verbrachte, unser Gemeindeprogramm auf den Kopf zu stellen. Der Gottesdienst vom Sonntag fand dann bereits wieder virtuell statt.

«Kirche – das sind menschen, die gemeinsam jesus nachfolgen. und das taten sie schon immer mit vorliebe in kleinen gruppen.»

Die Coronakrise hat uns als christliche Gemeinde herausgefordert, flexibel zu sein und mit schnell wechselnden Vorgaben umzugehen. Während wir im Normalbetrieb gerne langfristig planen und unsere Angebote gut organisieren, waren plötzlich ganz andere Skills gefragt. Es galt und gilt noch immer, agil auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen zu reagieren und dabei den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Schliesslich ist Kirche mehr als ein Gebäude oder ein gut besuchter Gottesdienst.

So nimmt Matthias Stalder seine Predigten auf

Kirche – das sind Menschen, die gemeinsam Jesus nachfolgen. Und das taten sie schon immer mit Vorliebe in kleinen Gruppen. So haben wir in den vergangenen Monaten den Wert unserer Kleingruppen ganz neu schätzen gelernt. Ich bin fasziniert zu sehen, wie das Leben in diesen «Minikirchen» pulsiert: Wie sich Menschen ganz praktisch unterstützen, zusammen Gottesdienste feiern, füreinander beten und einander helfen, eine Perspektive der Hoffnung zu bewahren. Es stimmt tatsächlich: Die Türen mögen verriegelt sein, aber die Kirche ist nicht geschlossen!

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